Seit 1990 am Spieß: Die Frauen hinter dem Frechener Grill
Wie Songül und Berivan Kilic aus einem Familienbetrieb einen sichtbaren Ort für Arbeit, Erinnerung und Dönerkultur machten.

Die Speisekarte ist schnell gelesen; 35 Jahre Arbeit passen in keine Preiszeile. Seit 1990 führt die Familie Kilic den Frechener Grill in einem Fachwerkhaus am Anfang der Fußgängerzone. Tochter Berivan beschreibt ihre Mutter Songül als Köchin, Verkäuferin und Seelsorgerin – also als die Person, bei der nicht nur Bestellungen landen.1
Genau deshalb gehört dieser Laden in den Döneratlas: nicht als beliebiger Punkt zwischen Köln und dem Rhein-Erft-Kreis, sondern als Beispiel dafür, wie viel lokale Geschichte hinter einer Theke stecken kann.
Ein Laden, der von Arbeit erzählt
Die aktuelle Betriebsseite nennt weiterhin die Hauptstraße 26 als Adresse. Dort wirbt der Frechener Grill mit einem selbst hergestellten Döner aus Kalbfleisch, täglich wechselnden Gerichten und Öffnungszeiten von Montag bis Samstag, 9 bis 20 Uhr; sonntags bleibt geschlossen.4 Das sind Angaben des Betriebs selbst, keine unabhängige Qualitätsbewertung. Für Besucher sind sie trotzdem konkret: Hier geht es nicht um ein kurzfristiges Pop-up, sondern um einen Familienbetrieb mit langer Adresse und erkennbarem eigenen Anspruch.
Die Kölnische Rundschau berichtet, dass Songül Kilic seit Mai 1990 fast täglich im Laden arbeitet, das Team führt und auch Desserts backt. Ihr Mann Aydin bereitet das Fleisch für den Spieß nach Angaben der Familie Schicht für Schicht vor; Sohn Cem arbeitet ebenfalls hinter der Theke.2 Der Döner ist hier also kein Solo am Messer. Er ist Familienarbeit, nur war diese Arbeit lange nicht für alle gleich sichtbar.

Berivan Kilic hat Politikwissenschaft studiert und arbeitet in der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. In ihrem eigenen Text für die ZEIT beschreibt sie, wie sie im Laden aufwuchs, sich zeitweise für den Beruf der Eltern schämte und später einen neuen Blick auf die Arbeit ihrer Mutter fand.1 Die Pointe ist leiser als jeder Eröffnungsrabatt, aber haltbarer: Anerkennung kann direkt am vertrauten Tresen beginnen.
Als der Imbiss zum Ausstellungsraum wurde
Im September 2025 machten Berivan Kilic und die Fotografin Victoria Jung aus dem Laden die Ausstellung „Zwei Frauen. Ein Dönermesser“. Fotografien aus dem Arbeitsalltag, Postkarten, bedruckte Planen und Dönertüten mit einem Frauenporträt hingen dort, wo sonst vor allem Speisekarten und Werbung erwartet werden.2 Radio Erft berichtete, dass die Ausstellung bis Ende Februar 2026 zu sehen war.3

Das Projekt stellte keine fremde Museumsvitrine in den Imbiss. Es machte den Imbiss selbst zum Archiv: den heißen Arbeitsplatz, die Familienfotos, das Messer und die Person, die es führt. Eine Preistafel kann viel. Familiengeschichte gehört nicht zu ihren Talenten.
Besonders stark war deshalb die Wahl des Ortes. Gäste mussten nicht erst in eine Galerie wechseln, um über Migration, Arbeit und Geschlechterrollen nachzudenken. Die Geschichte hing mitten im Alltag – neben Salat, Spieß und Stammkundschaft. Nach Angaben der Rundschau kamen Besucher aus anderen Städten; Stammgäste suchten das Gespräch und brachten Blumen.2
Was ein guter Ladeneintrag sichtbar machen kann
Für den Döneratlas folgt daraus ein praktischer Maßstab. Name, Standort und Preis helfen beim Finden und Vergleichen. Fleischart, eigene Spießproduktion, Öffnungszeiten, Betreiberwechsel und die Geschichte eines Familienbetriebs erklären zusätzlich, was für ein Laden dort eigentlich verzeichnet ist.
Der Frechener Grill zeigt, warum lokale Dönerkenntnis mehr ist als ein Sternchenurteil. Wer einen Laden seit Jahren kennt, weiß oft, ob das Fleisch selbst geschichtet wird, wer den Betrieb prägt und welche Angaben auf der Karte fehlen. Solche Hinweise machen aus einem Punkt ein Profil – und manchmal aus einem schnellen Mittagessen ein Stück Stadtgeschichte.
Kennst du den Frechener Grill oder einen ähnlich lange familiengeführten Laden? Suche ihn auf der Döneratlas-Karte und melde aktuelle Angaben zu Öffnungszeiten, Fleischart oder Angebot.
Quellen
Dönerladen: 50 Grad
PRIMARY · 09.08.2026
Eigenbericht von Berivan Kilic; geprüft für Betriebsbeginn, Rolle der Mutter und persönliche Perspektive auf Familienarbeit.
Frechen: Darum wurde der Imbiss „Frechener Grill“ bundesweit bekannt
SECONDARY · 09.08.2026
Unabhängiger Regionalbericht; geprüft für Familienbetrieb seit Mai 1990, Arbeitsteilung, Spießproduktion, Ausstellung und Besucherreaktionen.
Frechener Grill: Ausstellung über Frauen in der Dönerbranche
SECONDARY · 09.08.2026
Unabhängige Bestätigung von Thema und Laufzeit der Ausstellung bis Ende Februar 2026.
Frechener Grill – offizielle Betriebsseite
PRIMARY · 09.08.2026
Selbstauskunft des Betriebs; geprüft für Adresse, Öffnungszeiten, Kalbfleisch, eigene Herstellung und aktuelles Angebot.